Wir können alles - außer Geschichte
Die Debatte um die Oettinger-Rede reißt nicht ab.
Das Studienzentrum Weikersheim machte in letzter Zeit durch zwei geplante Veranstaltungen negativ auf sich aufmerksam. Hierin ist auch der Grund zu sehen, weswegen Oettinger seine Mitgliedschaft ab sofort auch ruhen lässt.
Die zwei geplanten Veranstaltungen in Kürze: Für den 20. April (Hitlergeburtstag!) hat die Jugendorganisation “Jung Weikersheim” (einige Mitglieder stammen hierbei aus der näheren Umgebung Weikersheim/Bad Mergentheim) eine Veranstaltung in Stuttgart mit dem Chef des KSK (Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr) a.D., Günzel angekündigt. Günzel musste ohne Angaben von Gründen 2003 in den Ruhestand gehen. Auffallend war, dass er sich zuvor zustimmend zu einer antisemitischen Rede des Abgeordneten Hohmann geäußert hatte.
Martin Hohmann, ein hessischer Budnestagsabgeordneter, wurde nach der nach ihm benannten Hohmann-Affäre auf Betreiben der Kanzlerin Merkel höchstpersönlich aus der Partei und dem Bundestag ausgeschlossen. Für Hohmann plante “Jung Weikersheim” ebenfalls eine Veranstaltung, der im Rahmen des Studienzentrums stattfinden sollte.
Das Studienzentrum ist keine Ansammlung Ewig-Gestriger, es belebt die politische Kultur in Ba-Wü durch zahlreiche Veranstaltungen, Kamingespräche mit Erwin Teufel oder Lothar Späth sind hier als Beispiele zu nennen. Das Studienzentrum hat aber nie deutlich gemacht, dass es sich vom rechten Rand der Politik deutlich abzugrenzt. Und in diesem Fehlverhalten liegt der Grund für das antidemokratische Image des Studienzentrums. Besonders der Organisation “Jung Weikersheim” kann ich nur die “Deutsche Geschichte” von Golo Mann empfehlen, das Hantieren mit dem Nationalsozialismus stellt in unserer demokratischen Gesellschaft keinen Bubenstreich dar.
Nach Recherchen des SPD-MdL Braun soll das Studienzentrum von der Filbinger-Stiftung unterstützt werden, in diesem war bis 1997 Paul Carell, der Pressechef des NS-Außenministers Joachim von Ribbentrop tätig.
In der aktuellen Diskussion wird nun aber etwas ketzerisch reagiert, Oettinger soll im Januar 2007 bei einer Veranstaltung der “Ulmia”-Verbindung in Tübingen folgendes gesagt: “Wir sind in der unglaublichen schönen Lage, nur von Freunden umgeben zu sein. Das Blöde ist, es kommt kein Krieg mehr.”
Im Juni 2000 (sic!) soll er in Tübingen als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes gesungen haben, die ja bekanntermaßen bei offiziellen Anlässen nicht gesungen werden darf. Mit diesen Geschichten Oettinger eine grundsätzlich “rechtskonservative Gesinnung” zu attestieren, finde ich dann doch etwas weit hergeholt. Seine Filbingerrede ist in den Punkten zur NS-Zeit aufs Schärfste zu verurteilen und fehlendes Geschichtsbewußtsein anzuklagen, aber Oettinger als Rechten darzustellen, zielt in die falsche Richtung.
Noch etwas zur semantischen Klärung: Das Studienzentrum Weikersheim wurde im dortigen Schloss gegründet, in Weikersheim direkt sitzt keiner des Vorstandes, der aktuelle hat seinen Wohnsitz bei Stuttgart. Das hier keine falschen Informationen auftauchen, dass ganz Weikersheim im braunen Strudel versinkt.








am 21. April 2007 um 12:03 Uhr.
Vielen Dank für die Erwähnung.
am 21. April 2007 um 21:03 Uhr.
Oettinger ist ja noch viel dümmer als ich dachte! Leider kommt kein Krieg mehr. Was sind das denn für Aussagen. Kann man den in ein Postpäckchen stecken und in eine Krisenregion verschicken? Ich zahl auch das Porto!
Und wer “Deutschland, Deutschland über alles in der Welt singt” den braucht man nicht mehr in irgendeine Ecke schieben, denn dort steht er schon längst. Wahrscheinlich mit erhobenen Arm. Ein Politiker, der die Strophe singt, die unter den Nationalsozialisten ergänzt vom Horst Wessel Lied die Nationalhymne war, muss ideologischh abartig verseucht sein. Man bedenke mit welch kalkulierten Risiko ein Spitzenpolitiker eine solche Aktion zur nationalen Erbauung durchführt.
Wenn das alles keine rechtskonservative Gesinnung beweisen soll, dann steht es um unsere Republik noch weit schlimmer als ich dachte.
am 22. April 2007 um 23:50 Uhr.
[…] “Studienzentrum Weikersheim” und Wir können alles - außer Geschichte von denkblogade Oettinger legt nach … “Maultaschen Cartoon” von FAZ The Nobel […]
am 23. April 2007 um 01:44 Uhr.
“Im Juni 2000 (sic!) soll er in Tübingen als Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes gesungen haben, die ja bekanntermaßen bei offiziellen Anlässen nicht gesungen werden darf.”
Wo steht das? Seid ihr eigentlich so dumm oder tut ihr nur so? Macht Ihr die ganze Scheißhetze mit? Die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes sind nicht Nationalhymne, das ist nur die 3. Strophe. Dass die ersten beiden deshlab nicht gesungen werden “dürfen” (das wäre ja noch schöner) ist falsch. Wer die ersten beiden Strophen singt, singt einzig und allein nicht die Nationalhymne der BRD. Das ist alles. Komm runter, mach die Augen aud, schalte’s Hirn ein.
am 24. April 2007 um 09:40 Uhr.
Quelle: FAZ vom Samstag, 21. April.
Es ist bekannt, dass bei offiziellen Anlässen nur die 3. Strophe gesungen wird, es aber nicht verboten ist, die ersten beiden zu singen.
Also ganz ruhig durch die Hose atmen, Hans Wurst.